Roms Ostgrenze

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Projekte  
Das römische Heer in Satala
 

Der geographische Kontext

Das antike Satala (heute beim Dorf Sadak, Provinz Gümüshane, Nordost-Türkei) lag an der Kreuzung der beiden wichtigsten Verkehrsachsen im Nordosten Kleinasiens. Die erste war die einzige natürliche Ost-West-Route im Norden Kleinasiens und führte von Ankyra über Nikopolis und Satala nach Nord-Armenien und weiter in den Kaukasus sowie nach Nord-Persien. Die zweite Route, die ungefähr entlang der Ostgrenze des Römischen Reiches in Nord-Süd-Richtung verlief, verband den Schwarzmeerhafen Trapezunt mit den weiter südlich gelegenen grossen Legionslagern von Satala, Melitene, Samosata und Zeugma sowie mit Nord-Syrien und der Provinz-Hauptstadt Antiochia. Die schroffe und gebirgige Region schränkte das Reisen und Gütertransporte auf anderen Routen erheblich ein. Die Kontrolle über die Wegkreuzung bei Satala war deshalb von grösster strategischer Bedeutung.

Der historische Kontext


Nur wenig archäologische Feldarbeit wurde bisher in und um Satala durchgeführt. Die Geschichte des Ortes und die historischen Ereignisse sind deshalb nur in schemenhaften Zügen bekannt. Die wenigen, bisher erzielten Forschungsergebnisse zeigen jedoch bereits die grosse historische und archäologische Bedeutung Satalas sowie das enorme Potential für künftige archäologische Untersuchungen.



Reste des Walls und des Osttors von Satalas spätantikem Militärlager.


 

Die ältesten bisher entdeckten Siedlungsspuren in Satala stammen aus der Frühen Bonzezeit. Als Rom seine Herrschaft im Osten Kleinasiens ausdehnte, diente Satala (nun eine Stadt im kleinen Königreich Armenia minor) den römischen Expeditionsheeren als logistisches Zentrum und als Basis für den Einmarsch nach Armenien, Nord-Persien und in die Kaukasus-Region. Um die Mitte der 70er Jahre des ersten Jahrhunderts befahl Kaiser Vespasian (69-79 n.Chr.) schliesslich die Errichtung eines ständigen Legionslagers. Bald schon begann sich Satala zu einer blühenden, griechisch-sprachigen Stadt zu entwickeln, erhielt sogar römisches Stadtrecht und wurde in den Rang einer colonia erhoben. Die erste Legion, die das neue Lager bezog, war die legio XVI Flavia firma. Im Jahre 114 n. Chr. kam Kaiser Trajan zu Beginn seines grossen Feldzugs gegen Armenien und die Parther nach Satala. Hier sammelte er seine Truppen aus allen Teilen des Römischen Reiches. Gleichzeitig nahm er intensive diplomatische Kontakte zu den umliegenden Königreichen auf, ordnete die Machtverhältnisse neu und führte schliesslich sein Expeditionsheer nach Armenien, Mesopotamien und bis an den Persischen Golf.


Projektleiter:Dr. M. Hartmann
Archäologe: Werner Rutishauser
Geophysik: Prof. Dr. Mahmut Drahor
Oberflächensurveys: Prof.Dr. Süleyman Cigdem; Dr. Hüssein Yurttas; Dr. Haldun Özkan

Berater: Prof.Dr. Michael A. Speidel; Prof.Dr. C. Rüger


 


Kaiser Traian bei der Zuteilung von Königtümern in Satala, 114 n. Chr. (BMC 1043).

In Zusammenarbeit mit:

Erzurum Atatürk Universität, Türkei
Dokuz Eylül Universität, Izmir, Türkei
Schweizerischer Nationalfonds
Universität Bern, Schweiz.

 

Satala Kampagne 2004.  

Satala Geophysik 2004.  

 

Unter der Herrschaft Kaiser Hadrians (117 – 138 n.Chr.) wurde die 16. Legion von der legio XV Apollinaris abgelöst und bildete fortan die ständige Besatzung des Legionslagers Satala, das weiterhin eine herausragende Rolle im römischen Verteidigungssystem Ost-Anatoliens spielte, indem es als Bollwerk gegen Einfälle aus dem Araxes-Tal und dem Kaukasus diente. Gleichzeitig war Satala aber auch militärische Drehscheibe römischer Offensiven und die Bewohner Satalas erlebten den Aufenthalt und den Durchmarsch von einigen der besten römischen und byzantinischen Armeen, Feldherren und Kaiser. Im Jahre 252 n.Chr. fielen dann aber persische Truppen des König Shapurs I. über die nördliche Route in römisches Gebiet ein und eroberten und plünderten dabei auch Satala. Die Stadt erholte sich und blieb noch über dreihundert Jahre lang ein bedeutendes römisches und byzantinisches Militärzentrum. Sie wurde schliesslich gar Bischofssitz, dessen Bischöfe bis über das Jahr 1256 hinaus bezeugt sind. Im Jahre 529 liess der byzantinische Herrscher Iustinian I., nach einem weiteren persischen Angriff, die militärische Festung vollständig erneuern. Die Überreste dieser Mauern sind heute noch sichtbar. Im Jahre 610 wurde Satala schliesslich vom Perserkönig Osroes II. erneut zerstört und verfiel darauf der Bedeutungslosigkeit.




Plan des spätantiken Militärlagers in Satala (von Sabri Aydal).

 

 

Zum Projekt

Satala ist eines der letzten grossen Militärzentren im römischen Osten, welches ideale Bedingungen für historische und archäologische Untersuchungen bietet. Hier gibt es die seltene Möglichkeit, durch die Entdeckung neuerer archäologischer und epigraphischer Quellen Antworten auf die vielen offenen Fragen zur Militärgeschichte des Römischen Reiches sowie zur Geschichte des antiken Armeniens und des Nahen Ostens zu finden. Unser Ziel ist es, die Quellen zur Geschichte des Legionslagers und der übrigen Militäranlagen Satalas entscheidend zu mehren, um so die wissenschaftlichen Erkenntnisse zur regionalen und überregionalen Geschichte des Ortes, des römischen Heeres und des gegenseitigen Austausches zu erweitern. Zusammen mit den archäologischen und historischen Ergebnissen unseres Zeugma-Projekts, werden die Resultate aus Satala zahlreiche neue Einsichten in die Geschichte der römischen Armee, der römischen Aussenbeziehungen, der römischen Ostgrenze sowie in die lokale Geschichte Satalas erlauben.

Unseren Feldarbeiten in Satala ging eine eingehende Studie aller bislang bekannten Quellen zu diesem antiken Ort voran. Ferner konnte im vergangenen Jahr die lokale Topographie untersucht werden. Unsere türkischen Partner an der Atatürk Universität, Erzurum führen darüber hinaus einen Oberflächensurvey der gesamten Provinz Gümüshane durch, was neue Entdeckungen zur römischen Ostgrenze in dieser Region erhoffen lässt. Jährliche Kampagnen sollen röntgenbild-artige Aufnahmen der im Boden begrabenen Strukturen liefern, über die wir mit Sondagen weitere Informationen zur Chronologie, zur Stratigraphie und zum Spektrum der Funde gewinnen wollen. Gleichzeitig sollen jährlich intensive Oberflächenbegehungen stattfinden. Diese effiziente und kostengünstige Methode bringt viele Vorteile. Sie erlaubt es uns, in kurzer Zeit viele historische und archäologische Informationen zu sammeln, ohne dass dabei die im Boden verbleibenden Strukturen irreparable Schäden erleiden – wie dies bei anderen Methoden durchaus der Fall sein kann. Die gesammelten wissenschaftlichen Informationen erweitern nicht nur unsere historischen Kenntnisse ganz wesentlich, sondern sie dienen darüber hinaus auch als entscheidende Grundlage für die Planung späterer grossflächiger Grabungen.

Unsere erste Untersuchungskampagne dauerte vom 9. – 17. August 2004. Sie bestand aus einer geophysikalischen Untersuchung innerhalb der noch sichtbaren, spätantiken Mauern des Militärlagers durch Prof. Mahmut Drahor und sein Team von der Dokuz Eylül Universität, Izmir. Ein gleichzeitiger Oberflächensurvey ergänzte diese Untersuchung. Diese Kampagne erbrachte wichtige erste Ergebnisse und gibt Anlass, die Entwicklung des Militärplatzes Satala neu zu überdenken! Ein Kurzbericht steht jetzt als PDF-Download zu Ihrer Verfügung!





Grabstein eines römischen Legionars und seiner Frau aus Satala. Erzurum.

 


Das Lagergelände aus Nordosten.

 

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