Roms Ostgrenze

  Das römische Heer in Zeugma

  Das römische Heer in Satala

  Römische Heeresurkunden

  Römische Militärausrüstung

  Armee und Integration

 
 
 
 
 
 
 
 
   
Projekte  
Das römische Heer in Zeugma
 


Der Schlüssel zur Geschichte des antiken Zeugma


Die antike Stadt Zeugma wurde um 300 v.Chr. unter dem Namen Seleukeia-am-Euphrat von einem der Generäle Alexanders des Grossen gegründet. Die besondere Bedeutung der Stadt lag in ihrem Standort, einem der ältesten und bequemsten Euphratübergänge. Hier – d.h. durch den schmalen Streifen des fruchtbaren Halbmondes zwischen der anatolischen Bergwelt und der syrischen Wüste - verlief die bedeutendste Handelsroute zwischen dem Mittelmeerraum, Mesopotamien und Anatolien. Als Tor zwischen Ost und West und als Kreuzweg der Kulturen entwickelte sich Zeugma zu einer wichtigen und blühenden Siedlung.



At Meydani, Zeugmas grösstes Militärfeld.

 

Als Rom den Euphrat zur Ostgrenze seines Reiches machte, erhielt Zeugma eine herausragende strategische Bedeutung. Truppenlager und weitere militärische Installationen wurden errichtet. Eine bisher noch nicht entdeckte grosse Festung in Stadtnähe wurde als Stützpunkt für eine ganze römische Legion eingerichtet (legio IV Scythica). Zeugma wurde zur Drehscheibe der meisten römischen Militäroperationen im Osten. Die Stadt genoss ihren neu gewonnenen Reichtum sowie die Aufmerksamkeit der politischen und militärischen Elite des Römischen Reiches. Trotz der Zerstörungen und Plünderungen durch persische Invasoren in der Mitte des 3. Jhs. n. Chr., blieb Zeugma bis weit in byzantinische Zeit hinein ein wichtiges militärisches und ökonomisches Zentrum unter römischer Kontrolle. Erst die arabischen Eroberungen und eine Verschiebung des Flussüberganges wenige Kilometer nach Süden brachten eine grundlegende Veränderung der politischen und strategischen Situation und führten allmählich zum Niedergang der Stadt im 11. Jh. n. Chr.


Das Verständnis für die Entwicklung und die Rolle Zeugmas als Teil der Geschichte des Nahen Ostens erschliesst sich deshalb vornehmlich durch die militärische Geschichte dieses einzigartigen Ortes.



Zeugma's Tempelberg über der At Meydani-Ebene

 

Projektleiter: Dr. Martin Hartmann
Mitarbeiter: Prof. Dr. Michael A. Speidel
Archäologe: W. Rutishauser
Geophysik: Prof. Dr. Mahmut Drahor
Berater: Dr. J. Ewald; Prof. Dr. C.B. Rüger

In Zusammenarbeit mit:

Archäologisches Museum Gaziantep, Türkei
Dokuz Eylül Universität, Izmir, Türkei
Universität Bern, Schweiz.

Finanziell unterstützt von :

Packard Humanities Institute, Los Altos, California, USA.

Weitere finanzielle Unterstützung durch: Birecik Construction Consortium. Gerda Henkel Stiftung. Goethe Stiftung für Kunst und Wissenschaft. Hochschulstiftung der Burgergemeinde Bern. Stiftung zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung an der Universität Bern. Institut für Metallurgie und Metallforschung der ETHZ. Schweizerischer Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung. UBS Kulturstiftung.


 

 

Bedeutung, Methoden und Ziele des Projekts

Zeugma ist eines der wenigen grossen Militärzentren im Osten, das archäologisch und historisch untersucht werden kann. Somit bietet Zeugma die seltene Gelegenheit, zahlreiche offene Fragen zur Militärgeschichte des Römischen Reiches und zur Geschichte des Nahen Ostens und seiner Bevölkerung zu beantworten. Nur durch die Entdeckung neuer archäologischer und epigraphischer Quellen können wir hoffen, unsere Kenntnisse zu erweitern. Die Funde und Ergebnisse der vom kalifornischen Packard Humanities Institute finanzierten Rettungsgrabungen im Sommer 2000 beweisen den Reichtum und die grossen Bedeutung der Stadt Zeugma. Viele dieser Entdeckungen können nur im Lichte der strategischen Rolle Zeugmas an der Euphratgrenze des Römischen Reiches verstanden werden.

Projektgeschichte, Methoden, Ergebnisse 1996-2001

Zeugma_Ergebnisse 2002

Zeugma_Ergebnisse 2003

Zeugma_Mavors Publikationen

 

Das langfristige Ziel unseres Projekts ist es, die wissenschaftlichen Erkenntnisse zur römischen Ostgrenze sowie zur militärischen Geschichte und zur strategischen Rolle Zeugmas und seiner Umgebung zu mehren. Die Suche nach dem bisher unentdeckten Lager der 'legio IV Scythica' soll fortgesetzt werden, ebenso wie die Untersuchungen der römischen Militäreinrichtungen in und um das antike Zeugma. Sämtliche Funde und schriftlichen Quellen, die ein Licht auf die Geschichte des römischen Heeres in dieser Region werfen können, werden eingehend untersucht und ausgewertet. Zusammen mit den archäologischen und historischen Ergebnissen unseres Satala-Projekts, werden die Resultate aus Zeugma zahlreiche neue Einsichten in die Geschichte des römischen Heeres, der römischen Aussenbeziehungen, der römischen Ostgrenze sowie in die lokale Geschichte Zeugmas erlauben.

 


Steinmauern und Entwässerungssystem, At Meydani

 

 

 


Gestempelter Ziegel der legio IV Scythica, At Meydani

 

Bisherige Ergebnisse

Den Feldforschungen ging eine eingehende Untersuchung aller bisher bekannten schriftlichen Quellen zu Zeugma und seiner Militärgeschichte voraus. Es folgten eine Studie der lokalen Topographie im Jahre 1996 sowie eine detailierte Analyse russischer Satellitenaufnahmen. Von 1997 und 1999 fanden von archäologische Untersuchungen statt, die schliesslich zur Entdeckung zweier, übereinanderliegender römischer Militärlager führten. Beide Lager waren aus getrockneten Lehmziegeln und Mauern aus festgestampftem Lehm errichtet worden. Die Lager datierten ins 1. Jh. n.Chr. und waren beide nur kurze Zeit besetzt. Sie dürften deshalb kurzfristig und nur für einen bestimmten und zeitlich begrenzten Zweck errichtet worden sein. Ihre Grösse, Datierung und die kurzen Belegungszeiten sowie die Lage am Euphratufer unmittelbar neben der Stadt Zeugma passen etwa zu jenem, beim römischen Historiker Tacitus erwähnten römischen Lager, welches 'apud Zeugma' für die militärische Eskorte eines Parthischen Prinzen im Jahre 49 errichtet wurde. Diese Eskorte hatte den Auftrag, den Prinzen, der in Rom aufgewachsen war, ins Partherreich einzuschleusen, wo er den regierenden König absetzen sollte. Das Unternehmen schlug fehl – genau so wie ein früherer Versuch der gleichen Art (Tac., Ann. 12,11ff; vergleiche auch Jos., Ant. 18,4,5; Tac., Ann. 6,31ff.). Ebenso möglich sind allerdings auch andere Erklärungen für den Bau der beiden von uns entdeckten Lager (siehe z.Bsp. Tac., Ann. 15,3 und 9).

        
Gravestone and tile stamp of legio VII Claudia, Western Necropolis and At Meydani.

Die Reichtümer Zeugmas

Die antike Stadt Zeugma am Euphrat (in Südost-Anatolien) zog infolge spektakulärer Rettungsgrabungen im Jahre 2000 die weltweite Aufmerksamkeit auf sich. (www.zeugma2000.com).

Aus römischer Zeit wurden zahlreiche Funde von höchster Qualität gerettet. Weltweit bekannt wurden vor allem die Mosaiken, die zu den schönsten und qualitätsvollsten zählen, die je geborgen werden konnten. Sie zeigen deutlich,dass Zeugma einst eine Stadt von enormem Reichtum war, und dass ihre Einwohner Zugang zu den teuersten und besten Produkten ihrer Zeit hatten!

Wer aber waren diese Menschen? Weshalb wurden sie und ihre Stadt so reich? Wie lebten die Einwohner Zeugmas? Und vor allem: Welche Auswirkungen hatte die massive römische Militärpräsenz auf die soziale, ökonomische und kulturelle Entwicklung dieser Grenzstadt und ihres Umlandes? Diese Fragen sind bislang kaum erforscht, sie versprechen jedoch viele interessante Antworten.

Weitere Websites zu Zeugma:

Die Türkische Website
Die Französische Website
Die Australische Website
Anthony Comforts Website

 

Nach einem weiteren Survey und Sondagen in den Jahren 2000 und 2001 in der unimittelbaren Nähe von Zeugma, konzentrierten wir unsere Untersuchungen nun auf das Feld 'At Meydani' und dessen Umgebung nordwestlich des Belkis Tepe. Von diesem Gebiet war verschiedentlich behauptet worden, es sei der Standort des grossen Lagers der legio IV Scythica. Seit 2002 erforschen wir dieses Gebiet mit jährlichen geophysikalische Untersuchungen (ausgeführt von Prof. Mahmut Drahor, Dokuz Eylül Universität, Izmir) und Sondagen. Gleichzeitig finden intensive Oberflächenbegehungen statt, die bereits zahlreiche gestempelte Ziegel der IV Legion und weiterer römischer Legionen und Hilfstruppen einbrachten. Gemeinsam deuten alle bisherigen Ergebnisse darauf hin, dass auf dem Untersuchungsgebiet einst zahlreiche, mehrfach benutzte militärische Bauten der römischen Kaiserzeit gestanden haben. Den bei weitem grössten Anteil am Aufbau dieser Anlage hatte offenbar die vierte Legion.


Römische Militärausrüstung, At Meydani

 
Allerdings liessen die terrassenartige Topographie sowie das Fehlen eines Soldatenfriedhofs von Beginn an daran zweifeln, dass es wir das Standlager der legio IV Scythica gefunden hatten. Vielmehr führen uns die bisherigen Forschungsergebnisse zum Schluss, dass die Militäranlage bei 'At Meydani' wohl eher als Etappen- und Ausgangslager für grosse römische Expeditionsheere diente. Denn solche Heere wurden aus vielen Truppen gebildet, die z.T. aus weit entfernten Gebieten des Römischen Reichs nach Zeugma zusammengezogen worden waren, um dort unter der Führung eines grossen Generals oder gar des Kaisers selbst die Euphratgrenze zu überqueren und gegen die Parther oder Perser zu ziehen. Allerdings können nur der Abschluss dieses Projekts und anschliessende grossflächige Ausgrabungen diese Ergebnisse erhärten oder widerlegen und nur so werden wir den genauen Zweck und die Zeitstellungen der einzelnen Militärbauten erfahren können. Die jüngsten Resultate finden Sie unter News.


Spätrömische Schmiede, At Meydani.
     
   
  Diese Seite drucken